Bibliothek im Grünen

Auf dem Gelände der Realschule Zwiesel stehen seit einiger Zeit mitten in der Wiese zwei Telefonzellen.

Schaut man in ihr Inneres, bietet sich ein ungewöhnlicher Anblick. Anstatt eine mittlerweile längst überholte Möglichkeit zum Telefonieren vorzufinden, präsentiert sich dem Betrachter eine Vielzahl von Büchern, sauber aneinandergereiht auf hölzernen Regalböden – gerade so wie in einer kleinen Bibliothek.

Wie kam es dazu? Die Idee mit den „Bücherzellen“ stammt von Frau Hellberg und Herrn Sagmeister. Diese hatten in verschiedenen Städten, München, Berlin …, etliche „Vorbilder“ gesehen und sich davon inspirieren lassen. Und wie das so ist mit kreativen Gedanken: Wenn sie einmal im Raum stehen, ist es bis zur praktischen Verwirklichung oftmals nicht mehr weit. Über verschiedene Stationen gelangte die Idee zum ehemaligen 2. Landrat Herrn Killinger, bei dem das Konzept der ungewöhnlichen Nutzung einer Telefonzelle sogleich auf fruchtbaren Boden fiel. Und so setzte er auch umgehend sämtliche Verbindungen und Kontakte in Bewegung, um eine solche aufzutreiben. Seinem Engagement und Verhandlungsgeschick ist es zu verdanken, dass nach relativ kurzer Zeit eine erste Telefonzelle aus dem Münchner Raum gefunden wurde. Als zweite – denn Bücher gibt es ja viele und für jeden Geschmack – konnte ein Exemplar günstig erstanden werden, mit dem eine kuriose Geschichte verbunden ist: Es handelt sich nämlich um die ehemalige Telefonzelle, die einmal im Jahr eigens für die Zeit des Grenzlandfestes in unmittelbarer Nähe des Geländes aufgebaut und danach wieder abmontiert wurde. Was mag/muss diese Telefonzelle wohl alles mit angehört haben?! Der Transport vom Grundstück des Vorbesitzers Hrn. Kroiß sowie die Aufstellung des „historischen“ Stückes an Ort und Stelle bedurften dann noch einiger Finessen, Vorbereitungen und nicht wenig Muskelkraft. So eine Zelle braucht nämlich nicht nur ein solides Fundament, auch der Platz vor dem Eingang in diese muss zweckmäßig gestaltet sein. Man möchte ja bei Schlechtwetter nicht im Matsch stehen. Alle diese Arbeiten wurden unter der Leitung von Hausmeister Max Kreuzer bestens geplant und durchgeführt. In der praktischen Ausführung wurde er dabei tatkräftig unterstützt von den Herren Herzog, Max Kreuzer senior, Konrektor Sagmeister und den Kollegen Andres, Reindl und Selbach.

Und nun? Jeder Mensch – ob jung oder alt, Einheimischer oder Besucher der Stadt Zwiesel … – ist herzlich eingeladen, in der „grünen Bücherei“ zu stöbern, ein Buch mitzunehmen, es zu behalten, weiterzugeben oder wieder zurückzubringen. Und wenn jemand ein lesenswertes Werk haben sollte, das zum Wegwerfen viel zu schade ist, aber zu Hause den Platz wegnimmt, dann kann es in einer der Bücherzellen einen neuen „Lebenssinn“ erhalten. Nicht zuletzt ist diese Einrichtung auch ganz im Sinne der RS Zwiesel, die sich als Umweltschule den Gedanken der Nachhaltigkeit und Wiederverwertung auf die Fahnen geschrieben hat.

Im Moment noch nicht verwirklicht, aber bereits geplant ist, neben den Zellen eine Sitzgelegenheit aufzustellen. So kann man in aller Ruhe einen Blick in das eine oder andere Buch werfen, ob es vielleicht mit nach Hause genommen werden möchte – oder aber man genießt es, einfach nur in der Natur zu sitzen und ein wenig zu lesen.

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