Interview mit John Ryan Isaacson

„Anfangs habe ich nur ein Prozent verstanden“

John Ryan Isaacson aus den USA musste sich erst an den Dialekt gewöhnen, aber inzwischen fühlt er sich längst heimisch

Manchmal ist sie nur der Anlass für einen kleinen Ratsch, ein anderes Mal der Auftakt für ein ausgedehntes Gespräch. In seiner Serie bittet der Bayerwald-Bote zu einer Tasse Kaffee. Unser heutiger Gesprächspartner ist John Ryan Isaacson (22). Der junge Amerikaner aus Lubbock, Texas ist dieses Schuljahr als Fremdsprachenassistent an den Realschulen Zwiesel, Regen und Viechtach im Einsatz.

Kaffee mit Milch, Zucker oder schwarz, Mr. Isaacson?
All black – schwarz, bitte.
Wie sind Sie eigentlich zu dem Job als Fremdsprachenassistent gekommen?
Es gibt bei uns ein Stipendium namens ’The Fulbright Scholarship’. Da werden insgesamt 140 Plätze für Amerikaner angeboten, die in Deutschland arbeiten wollen. Diese Plätze sind ziemlich begehrt, deshalb freue ich mich besonders, dass ich genommen wurde. Ich hatte mich in meinem letzten Studiensemester dafür beworben.
Was haben Sie denn studiert?
Mein Hauptfach war ’Internationale Beziehungen’, das habe ich dieses Jahr im Mai mit dem Bachelor abgeschlossen. Im Nebenfach hatte ich Deutsch an der Uni.
Warum wollten Sie nach Deutschland?
Ich war 2013/14 schon für ein Austauschjahr in Hannover. Das hat mir großen Spaß gemacht und ich bin in dieser Zeit auch persönlich sehr gereift. Deshalb wollte ich gern noch einmal her. Und außerdem mag ich die Sprache und das Essen. Meine Großmutter stammt übrigens aus Altötting.
Und wie sind Sie im Landkreis Regen gelandet?
Das war Schicksal (lacht). Man konnte drei Bundesländer als Favoriten angeben, ich habe unter anderem Bayern genannt und mich dann sehr gefreut, als ich hierher geschickt worden bin. Seit 8. September bin ich jetzt hier, ich habe eine Mietwohnung in Zwiesel. Die liegt übrigens direkt neben dem Haus von Stefan Hafner, meinem Betreuungslehrer an der Realschule Regen.
Haben Sie an jeder der drei Realschulen einen Betreuungslehrer?
Ja, in Zwiesel ist das Diana Hellberg und in Viechtach Gerhard Joachimsthaler.
Wie werden Sie an den Schulen eigentlich eingesetzt?
Normalerweise bin ich montags in Zwiesel, Dienstag und Mittwoch in Viechtach und donnerstags in Regen. Der Freitag ist flexibel. Hauptsächlich bin ich in den 10. Klassen eingesetzt, die Abschlussprüfung in Englisch machen müssen. Aber wenn man mich in anderen Klassen braucht, helfe ich auch da.
Und was machen Sie da so im Unterricht?
Das ist immer unterschiedlich. In den ersten zwei Wochen habe ich mich vor allem vorgestellt und Fragen beantwortet. Jetzt mache ich Projekte und helfe bei der Grammatik oder der Aussprache (Einwurf von Betreuungslehrer Stefan Hafner: ’Seine Hilfe bei der Vorbereitung auf den so genannten Speaking Test ist unbezahlbar. John kann eben typische Floskeln und Redewendungen einbringen, durch die dann eine echte Konversation entsteht; das ist dann nicht so gekünstelt‘).
Haben Sie auch außerhalb der Schule Kontakt zu Schülern und Lehrern?
Ich unternehme privat viel mit Stefan (Hafner) und Gerry (Joachimsthaler). Ich war schon im Jugendcafé und im Saitensprung – und ich habe auch schon mehrfach Schwammerl gesucht – und gegessen. In Texas kannte ich Pilze nur vom Supermarkt, aber jetzt erkenne ich schon selbst einen Steinpilz oder einen Zigeuner (lacht).
Ich sehe schon, Sie fühlen sich ganz wohl hier, oder?
Ja, das stimmt. Es ist alles ganz anders als bei mir zu Hause oder an der Uni in Waco, aber ich mag es. Und eine Kleinstadt bedeutet für mich keinen Kulturschock – ich bin am Rande von Lubbock auf einem Bauernhof aufgewachsen. Ich fühle mich wirklich sehr wohl, die Leute sind alle nett. Als ich kürzlich zwei Tage in München beim Oktoberfest war, habe ich schon wieder die gute Luft in Zwiesel vermisst. Ich habe kein Heimweh und würde am liebsten länger bleiben als bis Juni/Juli 2019, wie das vorgesehen ist.
Der Dialekt macht Ihnen keine Probleme?
Am Anfang war das schon sehr schwierig. Am ersten Tag habe ich vielleicht ein Prozent verstanden, jetzt sind es bestimmt schon fünf (lacht).
Was haben Sie denn später mal beruflich vor?
Ich werde wahrscheinlich 2019 zur Law School gehen. Ich möchte Rechtsanwalt werden – oder der Mann einer reichen Rechtsanwältin...(lacht).
Und werden Sie auch nochmal in den Bayerischen Wald zurückkommen?
Ja, das möchte ich unbedingt. Ich liebe Deutschland. Hier gibt’s das beste Bier, den besten Schweinebraten – und in Zwiesel ist das Essen in der ’Heißen Kiste’ brutal gut.

  • 2018_10_13_isaacson
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