Die Geschichte von Maria

Čojč-Theaternetzwerk zeigte neues Stück

Zwiesel. Im Rahmen der Kulturregion Bayern-Böhmen zeigte das Čojč-Theaternetzwerk Bayern-Böhmen in der Aula des Mädchenwerks unseren 8. Klassen sein neues Stück.
Es ist dunkel im Saal. Maria, die Heldin des Stücks, sitzt auf einem Stuhl, 13 Jugendliche der Theatergruppe um Regisseur Mathias Straub und Co-Projektleiterin Martina Buchna erwecken sie mit Komplimenten wie „Du hast eine schöne Stimme“, „Máš krásny hlas“, zum Leben. Langsam erleuchtet Marias Gesicht, eine Aufnahme des Böhmerwaldliedes vermischt sich mit dem Klangteppich, der im Raum liegt.

Eine Stimme sagt: „Du bist Maria und Du bist 1932 am Spitzberg geboren. Erinnerst du dich? In der Kriegszeit haben deine Mutter, deine Oma und Du bei einem Bauern gelebt und gearbeitet. Wie war das damals?“ Und Maria erinnert sich an die Schwierigkeiten der Hitler-Zeit. Aber auch, dass sie quasi auf Skiern aufgewachsen ist und 1947 ein Slalomrennen gewonnen hat.
Später hatte Maria keine Zelt mehr zum Skifahren. „Ich musste meine Familie ernähren und meine Mutter und meine Oma pflegen, weil sie krank waren. Mein Vater kümmerte sich nicht um uns.“ Warum Maria nach dem Krieg nicht vertrieben wurde, so wie viele andere Sudetendeutsche? Auch diese Frage beantwortet sie: „Mein Vater war Tscheche. Obwohl wir schon mit unserem Leiterwagen und unseren 50 Kilo Gepäck an der Grenze waren, mussten wir wieder zurück nach Hause und so sind wir dann in die tschechische Schule gekommen.“
Maria, die während des Stücks von verschiedenen Spielerinnen des čojč-Theaternetzwerkes verkörpert wird, erzählt so nach und nach von ihrem Leben im Böhmerwald. „Als Grundlage für das Stück haben wir die Geschichte von Maria Antošová, der letzten böhmischsprachigen Bewohnerin Železná Rudas, benutzt“, sagt der Zwieseler Theatermacher und Kunsterzieher Mathias Straub.
Während der Stückentwicklung wurden Wege gesucht, wie sich die jugendlichen Teilnehmer, die alle nach dem Fall des Eisernen Vorhangs geboren wurden, möglichst gut mit Maria identifizieren konnten. „In einer Art Phantasiereise sind wir in die Vergangenheit und Zukunft der Teilnehmer gereist und haben gesucht nach Wünschen, Nöten und Freuden der Jugendlichen. Nach konkreten Situationen, an die sie sich erinnern. Daraus haben wir dann Fragen entwickelt, die sie unseren Zeitzeugen gestellt haben“, erklärt Straub.
„Die Augenzeugenberichte haben sehr beim Aufbau des Theaters geholfen. Ich hätte nicht gedacht, dass wir in so kurzer Zeit ein so gutes Stück auf die Beine stellen können“, sagt die 16-jährige Sophia aus Zwiesel. Die Kostüme stammten allesamt von den Großeltern der Teilnehmer. Wie es beim Čojč-Theater üblich ist, war auch dieses Theaterstück auf Deutsch und auf Tschechisch.

Zu Beginn vielleicht etwas skeptisch abwartend, zeigten sich unsere Schülerinnen und Schüler am Ende des Stückes durchaus beeindruckt und lohnten es den Schauspielern mit lang anhaltendem Applaus.